Ordination Dr. Dieter Michael Schmidt

<< zurück Elektromagnetische Felder

Publikation in der Kärntner Ärztezeitung:

Elektromagnetische Felder – GSM – Sendemasten – Handys – Schnurlostelefone – Schrittmacher – et cetera – wie geht’s weiter?

In der öffentlichen Diskussion mehren sich die Anzeichen einer neuen Bedrohung der Gesundheit durch elektromagnetische Felder vielfacher Genese. Das Referat für Umweltmedizin war nicht untätig, daher hier ein Zwischenbericht:
Leider hat der Gesetzgeber nicht die geringste Vorsorge getroffen und sich nur auf die Zulassung und behördliche Meldung der vielfältigen neuen Technologien beschränkt. Eine erteilte Genehmigung gilt unbefristet, Anrainer und Gemeinden haben keine Parteien-stellung. Es gibt kaum Gelder für zielführende Forschung, keinen gesetzlich verankerten Gesundheitsaspekt und schon gar keine Berücksichtigung der Umweltmedizin. Es läuft wie gewohnt: wenn die Proteste der Bevölkerung unüberhörbar werden, ruft man aufgeregt nach den Ärzten, nach wissenschaftlicher Erkenntnis und fordert Grenz- ,Richt- und sonstige Werte.
Die Mobilfunk-Betreiber bauen munter aus, ein vierter tritt auf, bestehende Masten werden ohne irgendwelche Meldung oder Genehmigung mit weiterer High-Tech aufgerüstet, alles soll über Mobilfunk vermittelt sein: Internet, Fax usw. Hier fehlt die Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit der Betreiber, diese haben das zu verantworten und Ängste kann man sicher nicht durch Mauscheln und Verschweigen ausräumen.
Derzeit gelten nur die ÖNORM S 1120 und die Empfehlungen der ICNIRP. Beide berücksichtigen aber lediglich die Wärmewirkungen der Felder. Erwiesen sind aber bereits eindeutig biologische Wirkungen Und um diese dreht sich die Diskussion. Die wissenschaftlichen Hinweise – besorgniserregend oder beschwichtigend – sind derzeit noch widersprüchlich und nicht ausreichend reproduziert und evaluiert.
Was wird gemessen, welche elektromagnetischen Felder werden verwendet, wieviel Probanden sind erforderlich, welche Versuchsanordnung ist korrekt?
Im letzten Jahr hat Dr. Gerd Oberfeld, Referent für Umweltmedizin der Ärztekammer für Salzburg und der Österreichischen Ärztekammer, als Notwehr gegen den ungezügelten Sendemastenausbau einen Vorsorgewert von 1 mW/m² gefordert und für die Stadt Salzburg auch durchgesetzt. Seither laufen die Mobilfunkbetreiber, zusammenge-schlossen im Forum Mobilkommunikation – FMK, Sturm gegen diesen Wert. Prof. Röschke, ein Psychiater aus Mainz, dessen Studie an 12 gesunden, jungen Männern eine Verkürzung der Einschlafzeit um 22,4 %, eine Verkürzung des REM-Schlafanteils um 18,5 % und eine Verkürzung der REM-Schlafdauer um 17,8 % ergab, hat diese Untersuchung wiederholt und ähnliche Ergebnisse erzielt, rückt nun davon ab und läßt diese Studie nicht als Grundlage für Vorsorgewerte gelten.
Dabei sind die Mobilfunker schon einige Schritte weiter, das 1800 MHz-Band wird benützt, die Technologie geändert und die Forschung hinkt völlig hinten nach und kommt bei weitem zu spät. Beispiel: die Auswirkungen von Diebstahlmeldern in Kaufhäusern auf Schrittmacher sind in etwa bekannt, Warnungen sind formuliert und werden an Herz-stationen und Patienten ausgegeben. Inzwischen sind die technischen Bedingungen entscheidend geändert worden, da die Diebe jetzt ja Bescheid wissen, und eine neue Forschung mag beginnen.
Da dies bei den Mobilfunk-Betreibern ähnlich läuft, ist die Aufregung bei Anrainern und Umweltärzten verständlich.
Dennoch sind Lösungen in Sicht. Einige Politiker, die sich von der Lobby der Betreiber, die sich oft mit Aktienanteilen der Massenmedien gegen Protest von dieser Seite abgesichert haben, nicht so beeindrucken ließen, haben versprochen, daß die betroffenen Anrainer Gelegenheit haben sollen, bei einer im Detail noch zu definierenden Untersuchung Klarheit über den Zusammenhang mit den GSM-Sendemasten mit ihren Beschwerden zu erhalten.

Internationale Konferenz 7.-8. Juni 2000 in Salzburg
"Situierung Mobilfunksender – Wissenschaft und öffentliche Gesundheit"
Landesrat Raus präsentierte am Freitag, 9. Juni 2000 die Ergebnisse dieser Internationalen Konferenz, die vom Land Salzburg in Zusammenarbeit mit der Universität Wien organisiert worden war:


SALZBURGER DEKLARATION ZU MOBILFUNKSENDEANLAGEN


1. Es wird empfohlen, die Situierung und den Betrieb von Mobilfunksendeanlagen an ein Bewilligungsverfahren zu knüpfen. Dabei sollten nachfolgende Punkte berücksichtigt werden:
• Vorangehende Information und aktive Einbeziehung der lokalen Bevölkerung
• Überprüfung mehrerer Standortalternativen
• Schutz der Gesundheit und des Wohlbefindens
• Berücksichtigung des Orts- und Landschaftsbildes
• Berechnung und Messung der Exposition
• Berücksichtigung bereits vorhandener hochfrequenter Feld-Quellen
• Überprüfung und Überwachung nach Installation
2. Es wird empfohlen, auf staatlicher Ebene eine Datenbank mit detaillierten Angaben über alle Basisstationen und deren Emissionen zu erstellen.
3. Es wird empfohlen, für bestehende und künftige Mobilfunksendeanlagen alle technischen Möglichkeiten auszunutzen, um eine möglichst niedrige Exposition von Anrainern zu gewährleisten (ALATA-Prinzip). Neue anlagen sind so zu planen, dass die Exposition in Bereichen, in denen sich Menschen längere Zeit aufhalten, möglichst gering ist und unter strikter Gewährleistung der Gesundheit der betroffenen Bevölkerung erfolgt.
4. Die Beurteilung von biologischen Wirkungen im Niedrigdosisbereich, ausgehend von Mobilfunksendeanlagen, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt schwierig, jedoch zum vorbeugenden Schutz der öffentlichen Gesundheit dringend erforderlich. Es gibt derzeit Hinweise, dass keine Schwelle für nachteilige gesundheitliche Auswirkungen existiert. Die Empfehlung von konkreten Immissionswerten ist daher mit entsprechenden Unsicherheiten verbunden und ist als vorläufig anzusehen.
Für die Gesamtheit der Immissionenhochfrequenter elektromagnetischer Felder wird ein Richtwert von 100 mW/m2 (10 µW/cm2) empfohlen.
Zum vorbeugenden Schutz der öffentlichen Gesundheit wird für die Summe der niederfrequent-pulsmodulierten hochfrequenten Immissionen von Mobilfunksendeanlagen, wie zB GSM-Basisstationen, ein vorläufiger Beurteilungswert von maximal 1 mW/m2 (0,1 µW/cm2) empfohlen.

UNTERZEICHNER der SALZBURGER DEKLARATION zu MOBILFUNKSENDEANLAGEN 9. Juni 2000

Dr. Ekkehardt Alpeter, Inst. für Social- and Preventive Medicine, University of Bern, CH
Dr. Carl Blackmann, US Environmental Protection Agency, USA
Dr. Neil Cherry, Lincoln University Christchurch, Neuseeland
Prof. Dr. Huai Chiang, Zhejiang University School of Medicine Microwave Lab, Hangzhou, China
Dr. Bill P. Curry, EMSci Tek Consulting Co, Illinois, USA
Prof. Dr. Livio Giuliani, National Institute of Occupational Safety and Prevention, Roma, Italien
Prof. Dr. Yuri Grigoriev, Centre of Electromagnetic Safety, Institute of Biophysics, Moscow, Russland
Dr. Helene Irvine, Greater Glasgow Health Board, Dept. of Public Health, Glasgow, Scotland, UK
Dr. Christoph König, Federal State of Salzburg, Public Health Dept., Environmental Health, Salzburg, Österreich
Prof. Dr. Michael Kundi, University of Vienna, Inst. For Environmental Health, Wien, Österr.
Ronald MacFarlane, Health Promotion and Environmental Protection Office, Toronto Public Health, Toronto, Canada
Dr. Malcolm MacGarvin, modus vivendi, Consultant for the European Environment Agency, Glenlivet, Scotland, UK
Dr. Fiorenzo Marinelli, Ist. Di Citomorfologia C.N.R., Bologna, Italien
Dr. Wilhelm Mosgöller, University of Vienna, Inst.for Cancer Research, Wien, Österr.
Dr. Gerd Oberfeld, Federal State of Salzburg, Public Health Dept., Environmental Health, Salzburg, Österreich
Dr. Collin Ramsay, Scottish Center for Infection and Environmental Health (SCIEH), Glasgow, Scotland, UK
MA Cindy Sage, Sage Associates, California, USA
Luis Slesin, Microwave News, New York, USA
Prof. Dr. Stan Szmigielski, Dept. of Microwave Safety, Military Institute of Hygiene and Epidemiology, Warsaw, Polen

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