Ordination Dr. Dieter Michael Schmidt

Sept. 2003
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Schwebestaub

Publikation in der Kärntner Ärztezeitung, Referat Umweltmedizin:

Das Umweltbundesamt stellte uns Ende Juni 2003 eine Statuserhebung der Überschreitungen des Grenzwertes für PM 10 an der Messstelle Klagenfurt – Völkermarkterstrasse aus dem Jahr 2001 vor.
PM 10 ist der Anteil am Schwebestaub, der besonders klein und so besonders gut lungengängig ist und bis in die Alveolen vordringen kann. Viele epidemiologische Studien belegen eine deutliche Korrelation der PM 10 -Belastung mit erhöhter Sterblichkeit, mehr Spitalseinweisungen und Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems.
In dieser Studie finden sich einige bemerkenswerte Sätze, die vor allem für in der Stadt Klagenfurt tätige und wohnende Ärzte interessant und bestürzend sein können.

„... die wesentlichen Emittenten für den PM 10 – Staub sind Hausbrand, Straßenverkehr, Heinzkraftwerke und Industrie. Anteil des Hausbrandes an hoch belasteten Wintertagen bei ca 30 %, Straßenverkehr ca 20 %, die Wiederaufwirbelung des Straßenstaubs durch den Verkehr ca 15 %, Heizkraftwerke und Industrie ca 5 %, allerdings tragen deren SO² - und NO-x Emissionen eine hohen Anteil bei der Bildung sekundärer Aerosole.
Maßnahmen zu Reduktion sollten sich in erster Linie auf den Straßenverkehr, den Hausbrand (Festbrennstoffheizungen) und das Fernheizkraftwerk konzentrieren.
Das Fernheizkraftwerk ist ein erheblicher Emittent von SO² und NOx. Die SO² Emissionen betragen etwa 1 % des gesamtösterreichischen Ausstoßes. Auffallend ist die hohe Konzentration von bis zu 850 mg/Nm³ an SO² im Rauchgas bei Verbrennung von Heizöl mit einem Schwefelgehalt von etwa 0,4 %. Daraus kann geschlossen werden, dass die Entschwefelung durch das Kalkadditiv-Verfahren kaum wirksam ist. Dem Stand der Technik entsprechende Kraftwerke haben SO²-Konzentrationen von weniger als 100 mg/Nm³. Auch die NOx-Konzentration ist etwa dreimal höher als bei dem Stand der Technik entsprechenden Anlagen.
Die Monate Jänner und Februar 2002 waren in Kärnten wesentlich höher belastet als 2001.
Alle Grenzwertüberschreitungen fallen in das Winterhalbjahr und zeichnen sich durch ungünstige Ausbreitungsbedingungen, Inversionswetterlagen aus.
Die Belastungsepisoden zeigen deutliche Maxima am Vormittag und späten Nachmittag, parallel zu den Emissionen des Straßenverkehrs.
Zusammenfassung der wichtigsten Maßnahmen:

Verkehr:
Fahrverbote während lang anhaltender Belastungsepisoden, Verminderung der Salz- und Splittstreuung, Straßenreinigung mit geeigneten Geräten, schwefelfreie Kraftstoffe, Umrüstung kommunaler Fahrzeuge auf Gasbetrieb oder Einbau von Partikelfiltern, mehr öffentlicher Personennahverkehr, mehr Fahrradverkehr.
Hausbrand:
mehr Fernwärme, Wärmedämmung, Verbot von Kohleheizung
Fernheizkraftwerk:
Umrüstung auf Gasbetrieb, Anpassung an den Stand der Technik
Baustellen:
Partikelfilter bei Baumaschinen, Befeuchtung bei staubenden Materialien

[...]“


Das bedeutet, dass das Fernheizkraftwerk in Klagenfurt schleunigst auf den Stand der Technik zu bringen ist oder bald seinen Energieträger zu wechseln hat.
Man beachte auch die mutigen Forderungen des Umweltbundesamtes wie Fahrverbote, Verbote von Kohleheizung und das Eintreten für den öffentlichen Verkehr! Das Referat erlaubt sich zu erinnern, dass wir in der Vorweihnachtszeit den Stadtpolitikern ähnliches vorgeschlagen haben.

Alles recht interessante Aussagen, wer es genauer wissen möchte, die Studie liegt im Referat für Umweltmedizin der Ärztekammer, bei Herrn Cekon, zur Einsicht auf. Oder Sie fordern die Arbeit beim Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung 8 Umweltschutzrecht, Herr Mag. Franz Arnold, mit der Zahl 8-ALL-3/R130-2/2003, an.

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