Ordination Dr. Dieter Michael Schmidt

Das Geriatrie-Diplom

Das nächste Diplom, das ich anstrebe, ist das Geriatrie-Diplom der österreichischen Ärztekammer. Geriatrie umfasst die Lehre der Diagnostik und Therapie der alten und hochbetagten Menschen. Der erste Kurs war am letzten Wochenende im September in Wien. Wien hatte schon 1904 in Lainz ein vorbildlich geführtes Pflegeheim mit damals 6000 Betten. Allen Prognosen zufolge wird die Lebenserwartung immer besser und im Jahr 2030 sollten bereits ein Drittel der Bevölkerung in Österreich älter als 60 Jahre sein.

Die manchmal gehörte Aussage: "Die Alten leben auf Kosten der Jüngeren." Stimmt überhaupt nicht, im Gegenteil, was die Eltern und Großeltern an Leistungen wie Kinderaufsicht, finanziellen Unterstützungen und tatkräftiger Hilfe, an Lebensmitteln aus dem eigenen Haus und Hof erbringen, ergibt ein ordentliches Plus für die jüngere Generation. So wird ein Generationenkonflikt durch Vorurteile bestimmt und mehr herbeigeredet, als dass er tatsächlich existiert. Übrigens, die reichen Pensionisten, die mit Geld nur so um sich werfen, gibt es in so kleiner Zahl, dass sie sicher nicht in' s Gewicht fallen: drei Viertel aller Pensionisten hat weniger als 15.000.- Schilling Pension! Davon wiederum sind drei Viertel Frauen, Altersarmut ist also Frauenarmut! Vielleicht müssen Ältere auch deshalb einmal länger arbeiten, weil sie durch zu niedrige Pensionen dazu gezwungen sind.

Ältere Menschen sind oft mehrfach krank, aber nicht alle Krankheiten müssen behandelt werden. Die Medikamente wirken anders, sind geringer zu dosieren und haben oft Wechselwirkungen, die zu beachten sind. 10 Prozent der Spitalseinweisungen sollen lediglich durch Nebenwirkungen von Medikamenten verursacht sein.

Sehr oft verstehen wir alte Menschen nicht richtig und treffen Entscheidungen, die an ihm vorbeigehen und seine Bedürfnisse überhaupt nicht berühren. So sind dem Arzt scheinbare Kleinigkeiten wie brennende Augen, Verstopfung, trockener Mund, Zungenbrennen oder Schluckauf kaum der Rede wert, dabei sind das die Dinge, die mehr stören und belästigen als ein Herzschwäche oder Durchblutungsstörung, geschweige denn eine Störung des Fettstoffwechsels.

Zur Leistung des Gehirns: es gibt die Speed- und die Power-Funktion. Speed heisst Schnelligkeit, Gewandtheit, rasches Begreifen und Reagieren. Power ist die gespeicherte Information, das Wissen, die Klugheit. Speed lässt klarerweise früher nach, aber Power ist bis in das hohe Alter verfügbar und trainierbar!

In der Vorsorge gibt es viel zu tun: die Herz-Kreislauferkrankungen machen den grössten Teil der Todesursachen aus, regelmässige Bewegung, gutes, ausgewogenes Essen, Verzicht auf Rauchen und zuviel Alkohol können viel Leid verhindern. Es lässt sich wirklich erreichen, dass viele gesünder alt werden!

Ein Diskussionsbeitrag zur aktiven Sterbehilfe. Erich Loewy meint zurecht: wer sagt, ich möchte nicht mehr leben, drückt aus: ich möchte so nicht mehr leben! Wir alle müssen ein Leben und Sterben des alten Menschen in Würde und Respekt ermöglichen, ihn von Schmerzen und Angst befreien und ihn nicht alleine lassen.

Auch auf diesem Seminar wurde die Bedeutung der Validation klar, im Geriatriezentrum Wienerwald hat jeder Arzt eine Ausbildung in Validation.

Bericht vom dritten Seminar zum Geriatrie-Diplom am 23. und 24. November 2001 in Wien

Prim. Dr. Peter Bernecker erläutert die vielfältigen Aspekte und Therapiemöglichkeiten der rheumatischen Erkrankungen im Alter. Wichtig und oft vergessen sind einfache Hilfen und Heilbehelfe wie weiche Sohlen, Achsenausgleiche, Stützverbände und Schienen, um zunächst weitere Überlastungen zu verhindern. Aktive Maßnahmen wie Schwimmen, Gehübungen und Muskelaufbau bessern die Strukturen rund um das Gelenk. Lokale Behandlung mit Wärme, Kälte, Ultraschall, Elektrotherapie und auch Salben helfen gut. Andere Medikamente sind die häufig verordneten NSAR, die nichtsteroidalen Antirheumatika. Sie sollten bei alten Patienten nur mit der halben Dosis gegeben werden. Bei der Gicht kommt es zur Ausfällung von Harnsäurekristallen in Gelenken. Therapie wieder mit NSAR und nach dem akuten Stadium Allopurinol, Allobenz oder Uricovac. Bei Allopurinol genügen meist 100 mg. Andere rheumatische Krankheiten sind im Alter seltener.

Prim. Univ. Prof. Dr. Karl Knahr ist Orthopäde und zeigt, dass die Gelenksprothesen für Hüfte und Knie immer mehr an Bedeutung gewinnen. Entgegen der allgemein verbreiteten Meinung, die Komplikationen bei alten Menschen seien wesentlich höher, beweisen seine und internationale Daten, dass das nicht stimmt. Zwar ist der Spitalsaufenthalt etwas länger und Decubitalulcera gibt es häufiger, doch wird dem jetzt durch geeignete Therapien begegnet. Durch eine Steigerung der Operationen - täglich bis 18.00 Uhr, konnte in seinem Haus die Wartezeit von 2 Jahren auf 4-6 Monate verkürzt werden. Er sagte ganz klar, dass es keinen Grund gibt, Patienten nur wegen des Lebensalters von einem Gelenksersatz auszuschließen.

Prim. Dr. Hannes Plank vom LKH Villach hat das Thema: Wasser- und Elektrolythaushalt. Nach ausführlicher Wiederholung der Physiologie gibt er viele praktische Tipps. 3/4 der täglich nötigen Flüssigkeitsmenge von durchschnittlich 1,5 Liter soll während der Mahlzeiten und der Rest im Lauf des Tages eingenommen werden. Ein erreichbares und praktikables Angebot in Form von Saftboxen, Teerunden ist wichtig. Vorteile des ausreichenden Trinkens sind weniger Infekte, bessere Verdauung und weniger Verwirrtheit.

Über die Osteoporose gab Univ. Prof. Dr. Pietschmann eine hervorragende Übersicht. Bei der Therapie soll man streng zwischen Vorsorge und eigentlicher Behandlung unterscheiden. "In" sind Kalzium und Vitamin D, am besten als Kautabletten, Bisphosphonate und vielleicht demnächst Parathormon. "Out" sind Flour und Calcitonin.

Ein sehr engagiertes und wissensreiches Referat hielt Prim. Doz. Dr. Udo Zifko aus Bad Pirawarth. Die Neuro-Rehabilitation ist eine Pflichtleistung der Pensionsversicherung ohne individuellem Rechtsanspruch, eine typisch österreichische Zwischenlösung. Erstaunlich, welche computergestützten Verfahren es bereits gibt und welchen enormen Nutzen sie den Patienten bringen kann, etwa beim Atemmuskeltraining, bei Störungen von Bewegungsmustern. In Bad Pirawarth gibt es unterstützend zur medizinischen Therapie, zur Physio- ,Ergo- und Logotherapie Tanz, Musik, Malerei und Sportwissenschaftler! Er wies auf die eingespielte Qualitätskontrolle bei Physio-Ergo-Logotherapie im stationären Bereich hin und verglich dies mit der fehlenden in der freien Praxis, wo die Krankenkassen zwar Zuschüsse geben, aber weiter keine Qualitätskriterien fordern.

Die Organisation und die gastronomische Betreuung der Seminaristen war beste Qualität, ein Lob der umsichtigen Frau Hahn von der Ärztekammer.

Bericht vom vierten Geriatrie-Seminar in Bad Hofgastein

Diesmal ging es im Generalthema um Herz und Gefäßverkalkung.

Frau Univ. Prof. Monika Lechleitner, Innsbruck, listete die Risikofaktoren für eine Gefäßverkalkung auf, an erster Stelle die Blutfette. Durch Änderungen des Lebensstils lassen sie sich gerade mal um etwa 10 % senken, mit Medikamenten wie Simvastatin aber ordentlich, fast immer unter die geforderten Grenzwerte. In der Behandlung des Altersdiabetes, der im übrigen rasant zunimmt, steht an erster Stelle die regelmäßige, ausdauernde, körperliche Bewegung, danach erst Diät und Medikamente oder Insulin. Bei alten Menschen soll nicht mehr so streng eingestellt werden, die Gefahr der Unterzuckerung ist zu groß. Ein neuer Riskifaktor gewinnt an Bedeutung: das Homocystein, Normalwerte: 5-15 µmol/L. Therapie mit Folsäure, Vitamin B6 und B12.

Über die koronare Herzkrankheit referierte Univ. Prof. Mühlberger, Innsbruck. Bei der Anamnese sollte der Patient Zeit haben, seine Geschichte zu erzählen, gezielte Fragen seien nicht gut: sehr lobenswert!

Mühlberger zählte alle Diagnoseverfahren auf und listete ihre Wertigkeit und Kosten, er warnte vor "altersbedingter" Zurückhaltung und zeigte Beispiele guter und unerwarteter Patientenschicksale. Viele Patienten glauben, ihre Prognose sei schlechter, als sie tatsächlich ist!

Der bekannte Herzchirurg Prof. Wolner, Wien, sprach zum Thema Klappen- und Kranzgefäßchirurgie. Welche Voruntersuchungen sind nötig, wann wird operiert, wie wird nachbehandelt. Bei alten Menschen versucht man jetzt, ohne Herz-Lungen-Maschine zu operieren, das ist zwar technisch schwieriger, aber deutlich schonender. Aortenstenosen werden häufig und großzügig operiert, Mitralvitien eher zurückhaltend.

Frau Univ. Doz. Stöllberger hat das Kapitel Vorhofflimmern. Erfreulich für mich, dass ich bisher alles richtig gemacht habe. Warum wird allgemein zuwenig Marcoumar verwendet? Weil die schlechte Bezahlung und fehlende Ausbildung der niedergelassenen Ärzte dies oft verhindert.

Eine sehr engagierte Kollegin aus dem LKH Villach, OA Dr. Kolarik, macht Gefäßchirurgie und berichtete eindrucksvoll über Operationen an Schlagadern der Beine, des Bauchraumes und an der Aorta, der Hauptschlagader, deren Ausweitungen, die Aneurysmen, lebensgefährlich sind.

Einen ausgezeichneten Rückblick auf die Entstehung des Bluthochdrucks aus dem Wissen des Studiums gab uns OA Dr. Berent, Wels. Wie überhaupt der Blutdruck korrekt zu messen wäre, wie wichtig die 24-Stunden-Messung ist, welche Fehler möglich sind. Welche Folgen der hohe Blutdruck hat, wie er zu behandeln ist, auch ohne Medikamente, welche Therapie bei alten Patienten die beste ist.

Univ. Prof. Aigner, Salzburg, zeigte in engagierter und motivierender Weise die vorhandenen Trainingsmöglichkeiten alter Menschen. Besonders Ausdauersport, einfaches tägliches Gehen haben einen enormen Effekt. Es ist erwiesen, dass solche Alterssportler wesentlich weniger Spitalstage haben. Ungeeignet sind alle Kraftsportarten und solche mit hoher Anforderung an Koordination und Technik. Rehabilitation nach Herzinfarkt und Operation ist eine Pflichtleistung der Pensionsversicherungen, aber nicht einklagbar. Univ. Prof. Brandt aus St. Radegund macht dort Rehabilitation auf höchstem klinischen Niveau. Entsprechend der Risikogruppe werden gute Fortschritte erzielt. Erkenntnisse der medizinischen Trainingslehre werden angewendet.

Einen leider nur teilweise beachteten, weil zu leise, schwer verständlichen Vortrag hielt der Ethiker Prof. Loewy aus den USA. Er erinnerte an die unbedingte Notwendigkeit des Gesprächs mit dem Patienten und erwähnte die Grenz- und Graugebiete des medizinischen Handelns. Das "Orchestrieren des Lebensendes" gefiel mir als Musiker sehr gut.

Bericht vom fünften Geriatrie-Seminar in Linz am 10 und 11. Mai 2002

Das fünfte Seminar hat den Schwerpunkt Neurologie. Begonnen hat der neue Primarius der Neurologie am AKH Linz, Prof. Dr. Gerhard Ransmayr. Der Morbus Parkinson, die Schüttellähmung mit all den abzugrenzenden Krankheitsbildern, die modernen Medikamente und deren Haupt- und Nebenwirkungen war sein Thema. Eindrucksvolle Videos zeigten betroffene Patienten.

Was Rehabilitation für neurologische Patienten zu leisten vermag, zeigte Frau OÄ Dr. Adelwöhrer von der Wagner-Jauregg-Landesnervenklinik in Linz. Allein das Alter rechtfertigt keine schlechteren Aussichten zur Wiederherstellung nach etwa einem Schlaganfall, die umfassende Beurteilung und Betreuung durch ein professionelles Team kann fast Wunder bewirken. Wiederhergestellt wird in erster Linie das, was dem Patienten wichtig ist.

Der Leiter der Neurologie des KH Kufstein, Doz. Dr. Berek gab einen ausgezeichneten Überblick über Synkopen, kurze Attacken von Bewusstlosigkeit und Kollapszustände.

Auch Doz. Dr. Haring, Linz, erklärte aus vielen Untersuchungen und Studien, dass das Alter eines Schlaganfallpatienten nicht berechtigt, ihn von intensiver Therapie auszuschliessen. Zu beachten sind immer die allgemeinen Richtlinien der Diagnose und Therapie.

Einer der führenden Schmerztherapeuten in Österreich, OA Dr. Lampl, berichtete über die Besonderheiten bei alten Patienten, im besonderen über die nötige geringere Dosis und die oft vergessenen Wechselwirkungen. Hauptpunkt der Schmerzen sind der Bewegungsapparat, die Wirbelsäule, die Gelenke und Muskeln. Regelmässige Bewegung zahlt sich aus!

Der interessanteste Vortrag für mich war von Frau OÄ Dr. Högl von der Univ. Klinik Innsbruck über Schlafstörungen im Alter. Was ist normal, was ist krankhaft, was kann wie behandelt werden, was sollte man sonst tun, ausser ein Mittel verschreiben? Auf alle Fragen klare und für die Praxis wichtige Antworten. Ganz einfach ist viel Licht und Helligkeit am Tag und viel Dunkelheit in der Nacht, um den einprogrammierten Rhythmus beizubehalten.

Die Regeln für die Schlafhygiene:

- Kleine Schläfchen am Tag nicht länger als eine halbe Stunde insgesamt

- Besonders Nachmittag Spaziergänge, um Licht zu tanken und die Muskeln zu ermüden.

- Vermeiden von Koffein, Alkohol, Nikotin, gerade nach dem Essen.

- Abends weniger trinken.

- Regelmässigkeit bewahren.

Und hier die Regeln bei Schlafstörungen:

- Nur zu Bett gehen, wenn man müde ist.

- Wenn man nach zehn Minuten noch nicht schläft, aufstehen und etwas tun oder lesen. Wieder nur zu Bett gehen, wenn man müde ist.

- Kein Schlaf nach weiteren fünfzehn Minuten: aufstehen, arbeiten, lesen.

- Das wird solange wiederholt, bis man nach wenigem Minuten einschläft.

- Morgens immer zur gleichen Zeit aufstehen, auch wenn es nur zwei Stunden Schlaf waren.

- Alle Schläfchen während des Tages strikt vermeiden.

- Das Bett wird nur zum Schlafen aufgesucht, nicht zu Lesen oder Fernsehen.

Bericht vom 6. Geriatrie-Seminar in Wien am 21/22.Juni 2002

Ein buntes Programm sollte uns die Hitze in Wien bescheren, der Saal war dann aber schön klimatisiert. Stören konnte nur mehr die fehlende Möglichkeit, die Fußballweltmeisterschaft im TV en passant verfolgen zu können.

Neu war, vom Augenprofessor Dr. Klemen, St.Pölten, zu hören, das der graue Star nicht mehr „reif“ werden muss, um operiert zu werden. Es kann in jedem Stadium eine neue Linse eingesetzt werden, der Patient sollte am nächsten Tag schon deutlich besser sehen. Beim grünen Star muss immer der Augendruck und das Gesichtfeld untersucht werden, nur zahlt das, wie so oft, die Krankenkasse nicht.

Dr. Eva Hilger vom AKH, Psychiatrie, berichtete, dass die Depression noch immer viel zuwenig diagnostiziert und auch zuwenig ausreichend behandelt würde. Es wäre aber auch schwer und erforderte mehr Zeitaufwand der Hausärzte, depressive Symptome von „normalen“ Alterszeichen zu unterscheiden. Und auch bei alten Patienten ist eine Psychotherapie, selbst bei einer Frequenz von nur einmal im Monat, nachgewiesen erfolgreich.

Ein wissensreiches Referat hielt Dr. Georg Pinter von der Geriatrie des LKH Klagenfurt über Magen- Darmerkrankungen im Alter. Sehr wichtig seine Bemerkungen zur Obstipation, der Verstopfung: normal ist dreimal pro Tag ebenso wie dreimal in der Woche. Er gab einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten der Therapie. Interessant für mich die Variante des Biofeedback und des konditionierten Trainings. Das heißt, daß man den Patienten mit Medikament und Ritual zu regelmäßigem Stuhlgang bringt und später das Ritual ohne Arznei genauso funktioniert.

Als exzellenter Rhetoriker brachte Prof. Niessner aus Wiener Neustadt die Antikoagulatientherapie bei alten Patienten. Nach wie vor ist die Frage der Dauer und Dosierung dieser Medikamente wie Marcoumar oder Sintrom nur individuell zu entscheiden, Kochrezepte sind nur bedingt anwendbar. In der Zukunft könnten neue Medikamente wie Arixta oder Exanta vieles erleichtern. Leider sind diese sehr, sehr teuer.

Bericht vom 7. Geriatrie-Seminar in Wien am 13. / 14. 09. 2002

Nierenerkrankungen im Alter waren der Einstieg in ein buntes Programm der vielfältigsten Aspekte der Geriatrie. Die komplizierten Beziehungen zwischen Elektrolyten, Säure-Basen-Haushalt, Atmung und Wasserhaushalt haben mir im Studium schon Kopfzerbrechen bereitet, es war diesmal nicht besser. Wichtig aber die angemahnte Vorsicht bei den Dosierungen und den Medikamenten, die die Niere schädigen können.

Prof. Otto Burghuber vom Otto-Wagner-Spital, Wien, zeigte, dass die Hälfte aller Fälle von Asthma bronchiale erstmals im Alter auftreten und dann teils schwere Verläufe bringen. Die Lungenentzündung der alten Patienten ist oft sehr schwierig zu diagnostizieren, weil die Lunge keine Symptome macht, nur allgemeine Anzeichen einen bedrohlichen Zustand signalisieren. Man sollte früh mit einem Antibiotikum beginnen, egal mit welchem, nur frühzeitig. Der Lungenkrebs nimmt gewaltig zu, im Verhältnis Frauen zu Männer von 5:1 !!!

Der Vortrag von Prof. MR. Rudolf Slavicek gefiel mir sehr, sehr gut. Welche grundlegenden philosophischen Erwägungen und über das Fachgebiet hinausweisende Gedanken er an die Zähne heftete, das war großartig. Frühzeitig sollte der Zahnarzt eine vorausschauende Planung machen, damit dann die dritten Zähne ohne große Probleme angepasst werden können.

Die Ausführungen von Prof. Wolfgang Hinterberger waren leider akustisch schwer verständlich, brachten aber doch neue Erkenntnisse für die Diagnostik von Blutarmut.

Einige neue Forschungsergebnisse vermittelte Frau Dr. Gerda Saletu-Zyhlarz vom AKH Wien, Schlaflabor, in Ergänzung zu dem Referat in Linz.

Den Abschluss machte Prof. Johannes Meran vom Wilhelminenspital in Wien, einem wichtigen onkologischen Zentrum in Österreich, die übrigens mit dem charismatischen und von mir hochverehrten Dr. Carl Simonton zusammenarbeiten. www.knospe.at

Er machte klar, dass zwar der Hauptteil der Krebserkrankungen alte Patienten betrifft, dass aber die meisten Forschungen bei jüngeren gemacht werden und somit zur geriatrischen Onkologie gute Daten fehlen. Dabei verhalten sich manche Tumore im Alter gänzlich anders, etwa der Brustkrebs, der bei älteren Frauen mehr gut differenzierte und langsam wachsende Formen zeigt.

Ein Besuch im Kabarett Simpl am Freitagabend krönte den Ausflug nach Wien. Herr Niavarani stöhnte, dass er die politischen Gags schon 12 000 mal umgeschrieben hat, leider sind diese heute bereits wieder uralt.

Bericht vom achten Geriatrie-Seminar, am 15. und 16. November 2002 in Salzburg

Es gab diesmal nur zwei große Referate, die restliche Zeit sollten die Teilnehmer ihre Diplomarbeiten vortragen und diskutieren.

Frau Prof. Dr. Grubeck-Löbenstein aus Innsbruck berichtete von der Altersforschung und der Erkenntnisse aus Impfstudien. Alte Menschen haben oft zuwenig Antikörper, selbst gegen Tetanus, wo doch scheinbar heute jeder dagegen geimpft sein sollte. Viele Alterungsprozesse weisen Merkmale einer chronischen Entzündung auf, folgerichtig wird an eine Impfung gegen die Alzheimer-Krankheit gedacht und geforscht.

Prof. Dr. Ingo Füsgen, der als Oberösterreicher in Deutschland große Karriere gemacht hat, ernüchterte die Zuhörer mit der bewiesenen Tatsache, dass unser Gesundheitssystem von der raschen Zunahme alter Patienten völlig überfordert sein wird, und das in den nächsten 10-20 Jahren. Viele gute Einzelerfolge gegen bestimmte Krankheiten lassen nur das Gesamtbild in anderer Perspektive erscheinen, ändern aber gar nichts an der Überlastung und der unmöglichen Finanzierung. Dem einzelnen kann hervorragend geholfen, sein Schicksal dramatisch gebessert werden, der Gesellschaft nützt das wenig, es könnte ihr sogar schaden. Auch in der Medizin könnte es gnadenlose Verteilungskämpfe geben.

Prim.Dr.Bauer, Gratwein, brachte das Thema Reisemedizin: meine Tipps für Flugreisen und Bergtouren werde ich geringfügig adaptieren.

Ein Kollege aus Kärnten, OA Dr.Tomantschger aus Hermagor, befasste sich mit Alltagsproblemen von Patienten mit Morbus Parkinson und konnte demonstrieren, wie lohnend es ist, wenn sich Ärzte auch um scheinbare Kleinigkeiten kümmern und diese erfolgreich behandeln oder organisieren können.

Aus dem SMZ Ost Wien, Dres. Mayerhofer und Obermayr, kommt ein hochinteressanter Ansatz im Zusammenhang mit dem Wachstumshormon GH, das genau das Medikament gegen das Altern wäre, gäbe es nicht die horrenden Kosten und die Nebenwirkungen, neben der mühevollen täglichen Injektion. Aber es gibt Hinweise, das bestimmte Arzneien gegen Alzheimer die Ausschüttung dieses Hormons deutlich anregen, weitere Erfolg versprechende Studien laufen, die Industrie lauert.

OA Dr. Reisz schilderte den gutartigen, anfallsartigen Lagerungsschwindel, der mit einer Lagerungsprobe nach Dix-Hallpike leicht zu diagnostizieren und mit dem Manöver nach Epley noch leichter zu therapieren ist. Weitere, teure Untersuchungen können dann folgen.

Hochinteressant der Vortrag von Dr.Vavrovsky über das Immobilisationssyndrom, die drastischen Auswirkungen von Bettruhe(!). Untersuchungen an jungen Freiwilligen haben gezeigt, das 30 Jahre altern das Herz-Kreislaufsystem weniger beeinträchtigen als 20 Tage Bettruhe. Auch die Vorbereitungen der NASA haben das an den Astronauten bewiesen. 1 Tag Bettruhe braucht 3-5 Tage zur Wiederherstellung, bei alten Patienten kann das bis zu 10 Tage dauern!

Nun fehlt mir nur noch ein Seminar, die Diplomarbeit ist fertig zu stellen und dann bin ich stolzer diplomierter Geriater...




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