Ordination Dr. Dieter Michael Schmidt

19.01.2003

Nachruf Medizinalrat Dr. Peter Grailer 1910 - 2003

Nachruf Medizinalrat Dr. Peter Grailer 1910 - 2003
Am Sonntag, dem 12. Jänner, besuchte ich am späten Nachmittag meinen ärztlichen Lehrer, den Medizinalrat Dr. Peter Grailer, um ihm zu seinem 93. Geburtstag zu gratulieren. Er schien etwas müde, nach vielen Besuchen an diesem Tag, und so verabschiedete ich mich nach kurzer Zeit. Leider wurde ich nach 18.00 Uhr angerufen, er war unerwartet verstorben.

Den folgenden Nachruf habe ich als Sprecher der Bezirksärzte als Grabrede gehalten.

Dr. Peter Grailer wurde am 12.01.1910 in Selzthal in der Steiermark geboren. Er maturierte am Humanistischen Gymnasium in Klagenfurt 1931 und ging zum Studium der Medizin nach Graz, wo er am 14.5.1937 mit der Promotion abschloss. Das seltene Goldene Doktordiplom konnte er am 25.6.1987 feiern.

Die Ausbildung zum praktischen Arzt gestaltete sich durch die Kriegs- und Nachkriegszeiten äußerst schwierig: 1937 als Gastarzt in Hartberg, danach in Klagenfurt, beim Reichsarbeitsdienst, auch an der Front im Einsatz, ab März 1945 in der Praxis Dr. Lohse in Westfalen, im Krankenhaus Lienz, wieder als Gastarzt im Landeskrankenhaus Klagenfurt, in Himmelberg zu einer Praxisvertretung und endlich ab dem 1.November 1949 in Eberndorf, als er die Praxis des Obersanitätsrats Dr. Smeritschnig übernehmen konnte.

In Eberndorf, wo er 34 Jahre lang wirkte, war er Tag und Nacht für seine Patienten da, versorgte als Sprengelarzt gleich fünf Gemeinden mit Impfungen, Mutterberatungen und Totenbeschauen, musste sich anfänglich wegen des Mangels an geeigneten Medikamenten mit Kräutern im Rucksack behelfen, machte viel Geburtshilfe, zweimal gar in der Ordination, hatte viele, viele Hausbesuche zu machen und leistete Unermessliches . Seine Verdienste wurden 1972 mit der Verleihung des Titels „Medizinalrat“ ausgezeichnet.

Ende des Jahres 1983 stellte er seine ärztliche Tätigkeit ein, blieb aber der Medizin stets verbunden, zu einigen Fortbildungen fuhren wir gemeinsam und tauschten unsere Meinungen aus.

Mich selbst verband ein Lehrer-Schüler-Verhältnis im besten hippokratischen Sinn mit dem hochverehrten Medizinalrat Dr. Grailer, er hat mich in den Anfängen begleitet und vor allem durch sein Beispiel eines gewissenhaften, immer neugierigen Landarztes beeinflusst. Die oft kolportierte Aussage: was werde ich dir denn geben? zeigt in Wahrheit eine sehr mutige und großartige Eigenschaft, nämlich nach der Diagnose noch einmal zu überlegen, ob bisher alles richtig war.

Ich bin ihm für sein Beispiel dankbar: die vorbildliche Ausübung der landärztlichen Tätigkeit, das rege Interesse, das ausgezeichnete Gedächtnis für Details und zuletzt für die ruhige, gelassene Art, mit der er das Altwerden und die Krankheiten ertragen hat.

Er ruhe in Frieden!




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