Ordination Dr. Dieter Michael Schmidt

15.09.2018

Neues vom Formular-Wahnsinn

Neues vom Formular-Wahnsinn
Diesen unwiderruflich letzten Artikel hat die Kärntner Ärztezeitung veröffentlicht:

Formular-Wahnsinn, letzter Teil

Ich hatte mich zu einer kurzen Mittagspause in den Ruheraum der Ordination zurückgezogen und war eingeschlafen, der Drucker murmelte gelegentlich leise durch die geschlossene Türe und ich fiel in einen Traum:

Mit allen bisher geschriebenen Artikeln zum Formular-Wahnsinn war ich zum Direktor der Kärntner Gebietskrankenkasse gefahren und er stimmte mir begeistert zu, das müsse tatsächlich geändert werden, aber viel besser wäre es, wenn auch die anderen Krankenkassen dabei wären.

Also machten wir kurz darauf ein Treffen mit den Direktoren von SVA, BVA, VAEB und SVB. Alle waren einer Meinung, ja, es müsse ein einheitliches Überweisungsformular geben. Nur: in diesem Fall gäbe es nur eine Lösung für Kärnten. Wäre es nicht klüger, gleich eine österreichische Einheit zu erreichen?

Wenige Wochen später fuhren wir, die Direktoren von GKK, SVA, BVA, VAEB und SVB, jeder mit einem persönlichen Referenten und ich, zum Hauptverband nach Wien. Im Zug saßen wir im Speisewagen und hatten eine tolle Stimmung, fast hätten wir Kärntnerlieder gesungen. In Wien rannten wir offene Türen ein, alle stimmten zu, ja, die Idee eines einheitlichen Überweisungsformulars sei geradezu genial und könnte vieles an Einsparung bringen. Aber: Das sei ja nur eine österreichische Lösung, wir sind doch seit vielen Jahren bei der europäischen Union, das wäre der große Wurf: ein europäisches Formular!

So schnell es möglich war, bestiegen wir, die Direktoren von GKK, SVA, BVA, VAEB und SVB, der Direktor des Hauptverbandes mit zehn Referenten und Experten und ich, noch immer alleine und inzwischen mit einem mulmigen Gefühl, das Flugzeug. Am Flughafen in Brüssel bildeten unsere EU-Abgeordneten ein Spalier und klatschten uns ein, es war eine wunderbare Stimmung.

Im Gespräch mit dem zuständigen EU-Kommissar, auch der Kommissionspräsident Juncker war zugegen, waren alle einhellig der Meinung, diese Idee sei wichtig und gehöre raschest umgesetzt. Herr Juncker allerdings wollte mehr: Ein Welt-Überweisungs-Formular für alle Krankenversicherungen, das wäre etwas, mit dem wir dem Friedensnobelpreis nahe kämen, er habe schon öfter im Gebet mit dem Erzengel Gabriel Kontakt gehabt, dem sollten wir unseren Plan vorstellen.

Als wir alle, die Direktoren von GKK, SVA, BVA, VAEB, SVB mit ihren Assistenten, der Direktor des Hauptverbands mit zehn Referenten, der Kommissar mit 12 und der Präsident mit 25 Assistenten das Space-Shuttle bestiegen und der Motor beim Start seltsam ruckelte, bin ich aufgewacht: Das mechanische Laufwerk des Druckers war wieder mal kaputt!


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