Ordination Dr. Dieter Michael Schmidt

11.01.2016

Meine Mutter

Meine Mutter
Erda-Maria Kalisch wurde am 26.3.1926 in Cave del Predil in Norditalien geboren, ihr Vater Albert Kalisch, ein Maschinenbautechniker, war dort im Bleibergbau der Grafen Henckel-Donnersmarck tätig. Die Mutter Irmgard stammte vom Lufthof in Thörl-Maglern in Kärnten. 1928, mitten in der Wirtschaftskrise und dem Niedergang der Bergwerke der BBU zog die Familie nach Badenweiler, wo sie das Hotel „Daheim“ erwarben. 1938 starb der Bruder Johannes mit 14 Jahren an einer Lungenentzündung; die näheren Umstände hat sie mir bei der Sichtung alter Fotos erzählt, sie sind tragisch. Ob sie nun die Zukunftswünsche und Erwartungen des älteren Bruders übernehmen musste? Ich glaube, sie wäre auch so zu dem umtriebigen und arbeitsamen Menschen geworden, als der sie später viele öffentlichen Funktionen ausfüllte und das Hotel zur heutigen Größe ausbaute. Das nötige Fachwissen erhielt sie in Hotelfachschulen in Wien und Salzburg.

1948 Hochzeit mit Dr. Ernst Schmidt in Badenweiler; er war in den letzten Kriegstagen zu seiner Schwester Hilde, die in Badenweiler lebte, geflüchtet, wurde vom Lazarettarzt Dr. Sepp Folberth in Schutz genommen und hat Erda-Maria als Krankenpflegerin kennengelernt. Sie bleiben für 10 Jahre in Gmünd/Kärnten, wo er als Tierarzt in freier Praxis arbeitete. Erda-Maria hat viel mitgearbeitet, die Assistenz bei Operationen, Impfungen und Geburten, ich erinnere mich auch an das Abfüllen des Penicillins in Einzeldosen.

1950 kam Doris zur Welt, Dieter kam 1952.

Zurück nach Badenweiler 1958, Übernahme des Hotels, in der Folge weiterer Ausbau 1968 und 1975 bis auf 75 Betten, was damals sehr viel Mut erforderte. Geburt von Hansjörg 1961 und Kathrin 1967.

Und hier seien gleich alle Enkel erwähnt: Christina, Christopher, Eva-Maria, Michael, Luisa, Elsa, Julia; und die Urenkel Maria, David und Felix.

In Badenweiler hatte sie ihre beste Zeit: die große Familie, das Hotel mit den Ausbauten, die Betreuung der Gäste, das Interesse an der Entwicklung des Kurortes. Nach erschöpfender Saison, haben wir sehr schöne Urlaube verbracht, in Bernau im Schwarzwald, in Champex im Kanton Wallis. Da gibt’s viele Geschichten und Anekdoten.

Nach der Übergabe des Hotels an Doris und Axel hat sie bei der Tschechow-Gesellschaft und beim Gutedel-Verein wichtige Aufbau-Arbeit und Weiterentwicklung geleistet und war auch immer noch im Hotel dabei.

Das Erlernen der russischen Sprache fand seinen Höhepunkt in der Reise nach Taganrog, der Geburtsstadt von Anton Tschechow.

Wie viele Freundschaften haben meine Eltern und nach dem Tod des Vaters 2001 sie allein unterhalten und gepflegt.

Die Pflege des Vaters hat sie vorbildlich und liebevoll gemeistert, sein Sterben war zwar schwer, aber es war ein rundes und in sich geschlossenes Leben. So war auch ihres: in sich geschlossen, abgerundet, trotz einiger Krisen gelungen, dafür bewundere ich sie.

Was haben wir von unseren Eltern, besonders von der Mutter, gelernt und werden es bewahren: die Begeisterung für Kultur, Bücher, Musik und Philosophie; die Freude an Bewegung und Sport (in einem WC im Privathaus hängen alle ihre Urkunden für das deutsche, bayerischen und österreichische Sportabzeichen); die Bedeutung guter Freunde, was wir heute als Netzwerk bezeichnen und auch die verwischten Grenze von Dichtung und Wahrheit, das hat ihr das Leben oft erleichtert.

In ihren letzten Jahren und Monaten haben sich die hervorragende körperliche und psychische Konstellation gezeigt, sie hat sich nach dem zweiten, schweren Schlaganfall wieder so erholt, dass tägliche Ausfahrten und Spaziergänge – am liebsten ohne Rollator – möglich waren.

Am ersten Januar des Jahres 2016 ist Erda-Maria Schmidt nach kurzer Krankheit um die Mittagszeit friedlich für immer eingeschlafen.


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