Ordination Dr. Dieter Michael Schmidt

05.07.2006

Delegiertentag in Graz II

Delegiertentag in Graz II
Das berichtete die "Medical Tribune" in der Ausgabe 27/ 2006:

Grazer Delegiertentag Juni 2006:

Scharfe Töne aus der Flüstertüte

GRAZ – Die Ärzte-Kundgebung am Delegiertentag in der steirischen Landeshauptstadt war explizit kein Streik. Gemessene New Orleans-Jazz-Trauermusik gab den Rhythmus vor und symbolisierte den drohenden Untergang eines ehedem freien Berufsstandes. Der Protest von über 400 Ärztinnen und Ärzten bringt deutlich zum Ausdruck, dass die Geduld eines Großteils der Ärzteschaft erschöpft ist. Der Schulterschluss von niedergelassenen und Spitalsärzten richtet sich gegen die unzumutbaren bürokratischen Bürden, die letztlich die Qualität der Patientenversorgung gefährden.

Rechnet man die Zahl der rund 420 an der Kundgebung teilnehmenden Ärzte als Äquivalent zu den Streiks in Deutschland hoch, so „sind in Graz etwa 40.000 Ärzte auf die Straße gegangen. Das ist ein starkes Zeichen, und dieses wird hoffentlich gesehen. Wir setzen weiter auf Dialog, aber auf einen ehrlichen Dialog und hoffen, dass dieser bald mit uns begonnen wird“, übertreibt Dr. Dietmar Bayer, Präsident der ÄK Steiermark sowie ÖÄK-Vizepräsident, die rege Teilnahme an der Grazer Kundgebung. Ein solcher Protestmarsch sei ungewöhnlich – man habe lange genug zugeschaut und auch lange gebraucht, bis die Entscheidung dazu getroffen wurde, so Dr. Bayer. Scharf wird die Haltung den Ärzten gegenüber kritisiert. Dr. Bayer: „Wir haben eine hohe Ethik und Moral, die uns auch immer wieder vorgehalten und die selbstverständlich eingefordert wird. Nur: Die Haltung uns gegenüber können wir nicht mehr länger dulden, weil sie letztendlich patientengefährdend ist.“

Schluss mit Rechtfertigungsmedizin

ÖÄK-Präsident Dr. Reiner Brettenthaler, während des Protestmarsches mit Dr. Bayer an der Spitze des stattlichen Zuges durch die Grazer Innenstadt, greift bei der Abschlusskundgebung am Freiheitsplatz zum Megaphon: „Der Anlass, der uns heute zusammenbringt, ist die überbordende Bürokratie und die ärztefeindliche Gesetzgebung der Bundesregierung. Wir Ärzte haben genug von der Debatte, dass wir nur Kostenverursacher sind. Wir haben genug von der Debatte, uns ständig rechtfertigen zu müssen. Wir wollen keine Rechtfertigungsmedizin und keine Passivmedizin. Wir wollen Ärztinnen und Ärzte sein, die in erster Linie für unsere Patienten da sind.“

Eine Frage des Menschenbildes

Das Gesundheitssystem nicht nur aus dem Blickwinkel der Finanzierung zu betrachten, fordert MR Prim. Dr. Walter Dorner, Präsident der ÄK Wien und ÖÄK-Vizepräsident, von den Verantwortlichen im Gesundheitswesen ein: „Die Kundgebung soll ein Fingerzeig sein, dass man Geduld und Langmut der Ärzte nicht überspannen darf. Man wird sich sehr wohl überlegen müssen, uns tatsächlich als Partner auf gleicher Augenhöhe zu betrachten. Ohne das wird es in Zukunft nicht gehen, ohne das werden die ehrgeizigen Ziele mancher Ministerinnen nicht erreicht werden können. Denn: Papier ist geduldig, und Gesetze, die darauf stehen, stehen oft Jahrzehnte lang darauf, ohne dass sie jemand bemerkt oder umsetzen kann. Das Gesundheitssystem ist nicht nur eine Frage der Finanzierung, sondern eine Frage des Menschenbildes, das wir uns zu stellen verpflichtet sind.“

Einstimmig wurde am Delegiertentag eine an Hauptverband und Gesundheitsministerium adressierte Resolution beschlossen. Gefordert werden

- ein sofortiger Stopp des Administrations- und Bürokratiewahns

- der sofortige Stopp von Einschränkungen durch staatliche Maßnahmen

- die Sicherung und der Ausbau medizinischer Leistungen im niedergelassenen Bereich zur Optimierung der Zusammenarbeit mit den Spitälern

- ein klares Bekenntnis zur Spitzenmedizin

- der Stopp aller Art von Leistungskürzungen auf allen Ebenen

- eine umgehende Ausbildungsinitiative und verbindliche Zusage zur Lehrpraxisfinanzierung

- mehr öffentliche Mittel für das Gesundheitssystem

- die strikte Einhaltung der gesetzlichen Arbeitszeitbestimmungen in den Spitälern.

Von MT auf das Thema „Apotheken“ angesprochen, meint Dr. Brettenthaler: „Die aggressive Vorgangsweise bestimmter Bereiche der Apothekerschaft (...) hat eine derartige Missstimmung gebracht, dass man jetzt auch von unserer Seite keine Rücksicht mehr nimmt.“ Will auch heißen: „Die Vollversammlung der ÖÄK hat beschlossen, ein Dispensierrecht für alle Ärztinnen und Ärzte, die das wollen, einzufordern.“

Seltener Zusammenhalt

Als „ganz erstaunlich“ bezeichnet Dr. Dieter Schmidt, praktischer Arzt und Umweltreferent der Kärntner ÄK, den kollegialen Zusammenhalt am Delegiertentag. Gegen die Bevormundung durch die Bürokratie aufzutreten sei allen (Spitals- und niedergelassenen Ärzten) ein Herzensanliegen gewesen: „Die Resolution wurde ohne Gegenstimmen angenommen. Es war völlig klar, dass wir alle dahinter stehen.“ Konkret erwartet Dr. Schmidt, dass sich „die Leute, die das Ganze zu verantworten haben, einmal Gedanken machen, ob es wirklich so weitergehen kann und was man erreichen will.“


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