Ordination Dr. Dieter Michael Schmidt

Tipp: Sonnenallergie

Hautveränderungen, die durch das Sonnenlicht provoziert werden, sind vielen als "Sonnenallergie" bekannt. Dieser Text soll darüber Auskunft geben, welche unterschiedlichen Krankheitsbilder sich wirklich hinter diesem im Volksmund fälschlich als "Sonnenallergie" bezeichneten Hauterkrankungen verbergen können.

Sonnenlicht

Hautreaktionen der Haut werden meist durch das für Menschen unsichtbare UV-Licht der Sonne, die UV-C- (40 bis 280 nm), UV-B- (280 bis 320 nm) - Sonnenbrand ; und UV-A- (320 bis 400 nm) - Sonnenallergie Strahlen ausgelöst. Das UV-C-Licht wird in der Atmosphäre absorbiert, es erreicht daher die Erdoberfläche nicht. Die UV-B-Strahlen provozieren an der Haut sowohl den Sonnenbrand als auch die Sonnenbräune, die sich bis 72 Stunden nach Sonneneinstrahlung entwickelt. Da UV-B-Strahlen auch die Bindehaut des Auges reizen, sollte bei stärkerer Sonnenexposition eine Schutzbrille getragen werden. UV-A-Strahlen lösen an der Haut ebenfalls einen Sonnenbrand sowie eine Sonnenbräune, die sofort nach dem Sonnenbad sichtbar wird, aus. Im Gegensatz zu UV-B-Strahlen durchdringen UV-A-Strahlen auch Fensterglas, durch UV-A-Strahlen ausgelöste Veränderungen an der Haut können also beispielsweise auch bei Sonneneinwirkung im Auto ausgelöst werden.

Sonnenbrand

Die bekannteste und häufigste Folge einer zu hohen Lichtexposition ist der Sonnenbrand. Die Bildung eines Sonnenbrandes bzw. der Sonnenbräune hängt von dem jeweiligen Hauttyp ab. So entwickeln Personen heller Hautfarbe mit blauen Augen und rotblondem und blondem Haar sowie Sommersprossen (Hauttyp I und II) nie oder nur gelegentlich, andere hingegen häufig (Hauttyp III) bzw. immer (Hauttyp IV) eine Sonnenbräunung. Erst durch wiederholte Sonnenbestrahlungen entwickelt sich eine sogenannte Lichtschwiele infolge Verdickung und Vermehrung des braunen Farbstoffes der Haut (Melanin), die einen wirksamen Schutz gegen UV-Strahlen bietet. Ist es aber zu einem Sonnenbrand gekommen, sollte Sonne gemieden werden. Unterstützend können feuchte Umschläge mit Leitungswasser, in schweren Fällen kortisonhaltige Pflegepräparate in Form kühlender Milch, Lotion oder Gel angewendet werden.

Chronischer Lichtschaden

Neben den schon nach Stunden sichtbaren Veränderungen durch das Licht an der Haut werden auch Schäden verursacht, die erst nach Jahren sichtbar werden. Dies sind eine nachlassende Elastizität der Haut in Form von Falten und Runzeln, fleckige Pigmentierungen und erweiterte Äderchen der obersten Hautschichten (Teleangiektasien). Neben diesen kosmetischen Problemen kann es aber auch zur Entwicklung von bösartigen Hautveränderungen wie Basaliom, Carzinom und Melanom kommen. Insbesondere Personen, die in der Kindheit viele Sonnenbrände hatten, haben ein erhöhtes Risiko, ein bösartiges Melanom (schwarzer Hautkrebs) zu entwickeln.

Lichtprovozierte Reaktionen und vorerkrankte Haut

Sonneneinstrahlung bei vorbestehenden Hautveränderungen wie einem Lippen-Herpes bzw. einer Schuppenflechte kann eher verschlechternd wirken. Hingegen beobachten Patienten mit einer Neurodermitis durch Sonneneinstrahlung eher eine günstige Entwicklung der Hautveränderungen.

Die polymorphe Lichtdermatose

Dies ist die häufigste durch Sonneneinstrahlung ausgelöste Hauterkrankung. Patienten mit heller Haut, hellem Haar und hellen Augen (Hauttyp I und II) sind am häufigsten betroffen. Mehrere Stunden bis einige Tage nach dem Sonnenbad entwickeln sich an den Hautstellen, die der Sonne ausgesetzt waren, Hautveränderungen, die von Patient zu Patient variieren können, bei ein und demselben Patienten aber immer ähnlich auftreten. Wie der Name schon sagt, können diese Hautveränderungen polymorph, d. h. vielgestaltig, sein. Gemeinsam ist ihnen, daß sie meist erhaben, gerötet und juckend sind. Unter Meidung der Sonne kommt es zur spontanen Rückbildung, im Laufe der Sommersaison kann eine Sonnengewöhnung beobachtet werden, so daß die Reaktionen schwächer oder gar nicht mehr auftreten. Die Therapie entspricht der eines Sonnenbrandes, in schweren Fällen können unterstützend antiallergische Tabletten oder Kortison-tabletten gegeben werden. Vorbeugend können beim Hautarzt UV-Bestrahlungen durchgeführt werden.

Photoallergische und Phototoxische Hautreaktionen

Überwiegend körperfremde Stoffe, wie sie in Cremes, Tabletten etc. enthalten sind, können durch Sonnenlicht, meist durch UV-A-Strahlen, aktiviert werden und so gerötete, zum Teil bläschenartige Hautreaktionen hervorrufen. Diese Stoffe sind im Bereich der Natur in vielen Früchten und Pflanzen enthalten, im Sommer sollte daher die Anwendung duftender Kosmetikas, duftender Seifen und Toilettenartikeln vermieden werden. Aber auch einige Medikamente können ähnliche Hautveränderungen hervorrufen. Dazu zählen einige Antibiotika, Medikamente zur Behandlung von Pilzerkrankungen, Wassertabletten, Abführmittel, Süßstoff, Medikamente zur oralen Kontrazeption, Medikamente zur Behandlung neurologischer bzw. psychiatrischer Erkrankungen usw. Ob die von Ihnen eingenommenen Medikamente im einzelnen durch Sonneneinstrahlung unerwünschte Nebenwirkungen an der Haut verursachen können, besprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Hausarzt.

Lichturtikaria

Sehr selten kann es lichtbedingt auch zu Quaddeln an der Haut kommen, begleitend wurde in seltenen Fällen auch eine Mitreaktion des Kreislaufs beobachtet.

Photopatchtest

Der Photopatchtest ist das wichtigste Verfahren, das dem behandelnden Arzt zur Abklärung einer durch Licht ausgelösten Hautveränderung derzeit zur Verfügung steht. Eine Reihe verdächtigter Substanzen wird mittels Pflaster 24 Stunden auf die Haut gebracht und danach durch UV-A-Licht bestrahlt. Falls sich in den folgenden Tagen eine Hautreaktion entwickelt, ist eine photoallergische bzw. phototoxische Reaktion nachgewiesen.

Ratschläge

Vor dem Sonnenbad sollte die Haut durch Cremes, Lotionen oder Gels mit einem dem Hauttyp angepaßten ausreichend hohem Lichtschutzfilter geschützt werden. Diese Produkte entfalten erst nach ca. 20 Minuten ihre volle Wirkung, sie sollten daher rechtzeitig aufgetragen werden. Achten Sie beim Badeurlaub darauf, daß der Sonnenschutz wasserfest ist. Direkte Sonneneinwirkung sollte eher gemieden werden, insbesondere in der Mittagszeit, im Hochgebirge und an der See, wo die Sonneneinstrahlung besonders intensiv ist. Auch ein Aufenthalt im Schatten bräunt. Je nach Bräunungsgrad der Haut kann ein Sonnenschutzmittel mit niedrigerem Filter gewählt werden. Um eine Reizung der Bindehaut des Auges durch die Sonne zu meiden, sollte eine Sonnenbrille getragen werden. Kopfbedeckungen schützen vor dem "Sonnenstich".

Lichtschutzfaktor bezeichnet die Zeit in Minuten, die man länger ungeschützt in der Sonne bleiben könnte. Wer also ungeschützt nur 10 Minuten in der Sonne verweilen kann, verlängert diese Spanne mit einer Creme des Faktors 4 die Zeit auf 40 Minuten.

Tipps: Vier "H" - Hemd, Hose, Hut und hoher Lichtschutzfaktor, mindestens 15

Dennoch: Schönen Urlaub und gute Erholung!




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