Ordination Dr. Dieter Michael Schmidt

Tipp: Cortison

CORTISON ist ein chemisches Medikament, das sich vom Cortisol (=Hydrocortison) ableitet. Cortisol gehört zu den Glucocorticosteroiden oder Corticosteroiden, das sind natürliche Hormone der Nebenniere.

Ohne Cortisol kann der Mensch nicht leben; es beeinflußt den Mineral- und Wasserhaushalt, also Stoffwechselvorgänge, hilft bei der Entzündungsbekämpfung im Körper und unterstützt ihn bei verschiedenen Belastungen (Stress). Die Hormonbildung der Nebenniere folgt einem "zirkadianen" (Tag-Nacht-) Rhythmus: das Produktionsminimum liegt um Mitternacht, das Produktionsmaximum morgens zwischen 6.oo und 8.oo Uhr. 70% der Tagesproduktion werden in den Morgenstunden ausgeschüttet, unter Streß steigt die Cortisolproduktion bis zum 10-fachen an. Die wichtigste Bedeutung des Cortisons in der therapeutischen Anwendung ist seine ENTZÜNDUNGSHEMMUNG. Es gibt noch kein Medikament mit einer vergleichbar stärkeren Wirkung. Cortison wird daher bei vielen, vor allem chronisch verlaufenden Erkrankungen eingesetzt, wo eine starke antientzündliche Wirkung erwünscht ist, wie beispielsweise beim Asthma und der chronischen Bronchitis. Hier soll es die Entzündung in den Bronchien zurückdrängen, in höherer Dosierung vermindert es die Schleimbildung und das Anschwellen der Schleimhaut.

DER CORTISON-EINSATZ BEIM ASTHMA:

Die wesentliche Grundlage des Asthma ist eine Entzündung der Bronchial-Schleimhaut. Diese Entzündung ruft die Überempfindlichkeit der Bronchien gegen Rauch, kalte Luft und andere Reize hervor. Cortison senkt die Entzündung und damit die Überempfindlichkeit (Hyperreagibilität). Cortison wird "systemisch" oder "topisch" gegeben. Systemisch bedeutet, im ganzen Körper wirkend. Topisch heißt, nur am Ort der Auftragung wirkend, also als Salbe oder Spray zum Inhalieren.

DIE INHALATIVE CORTISON-THERAPIE:

Inhalatives Cortison gehört heute in die erste Behandlungsstufe des Asthma. Diese "lokale" Cortisonanwendung in Form von CORTISON-SPRAY hat im Vergleich zur Tabletteneinnahme viele entscheidende Vorteile: Der Wirkstoff kommt direkt dorthin, wo er gebraucht wird, folglich kann Wirksubstanz eingespart werden. Die bekannten Cortison-Nebenwirkungen werden bei dieser Anwendungsform nicht beobachtet, vorausgesetzt, der Patient hält sich an die angegebene Dosierung. Auch bei einer eventuell notwendigen Cortison-Tabletten-Therapie läßt sich die Dosis durch die gleichzeitige Anwendung inhalierbarer Cortisone um etwa 5 - 10 mg reduzieren. Durch das Cortison-Spray können krampflösende Medikamente eingespart werden.

WICHTIG: Das CORTISON AEROSOL dient NUR zur LANGZEITTHERAPIE.

Seine Wirkung setzt nur langsam ein, es ist deshalb NICHT FÜR DEN AKUTEN ASTHMA-ANFALL geeignet! Auf der anderen Seite kann es nur wirken, wenn es regelmäßig genommen wird.

NEBENWIRKUNGEN der inhalierbaren Cortisone: Pilzbefall in der Mundhöhle und Heiserkeit. Durch die Anwendung von Inhalierhilfen (Spacern) lassen sich diese prinzipiell harmlosen Nebeneffekte meist verhindern: es lagern sich erstens weniger Wirkstoffteilchen in der Mundhöhle ab, und zweitens läßt sich das Cortison tiefer bis zu den kleinsten Bronchien einatmen.

DIE CORTISON-TABLETTEN-THERAPIE:

Nach dem Stufenplan der Deutschen Atemwegsliga e.V. ist bei einer schweren Asthma-Erkrankung (PEF <60% des Sollwertes) sowie bei einer akuten Verschlechterung der Atemwegssituation lang- bzw. kurzfristig eine Behandlung mit Cortison-Tabletten meist nicht zu umgehen. Die Wirkung der verschiedenen Cortisonpräparate im Körper ist unterschiedlich stark. Das ist abhängig von ihrer Halbwertszeit im Blut. Man gibt sie bezogen auf das Medikament PREDNISOLON als "PREDNISOLONÄQUIVALENT" an.

Generell gilt: nicht mehr einnehmen als unbedingt nötig bzw. vom Arzt verordnet! Als Grenzdosis für die Langzeitbehandlung gelten - von seltenen Ausnahmen abgesehen - eine Erhaltungsdosis von 7,5 mg Prednisolon. Bei anderen Cortison-Präparaten gelten je nach der Wirksamkeit höhere oder niedrigere Dosen. Normalerweise werden zu Beginn einer systemischen Cortison-Behandlung zunächst höhere Dosen bis zum Eintritt der gewünschten Wirkung verordnet. Dann wird allmählich die Dosis bis zur sogenannten Erhaltungsdosis abgebaut.

Beim CORTISON gilt immer: SO WENIG WIE MÖGLICH; ABER SO VIEL WIE NÖTIG!

Die gesamte Tagesdosis sollte möglichst morgens vor 8.oo Uhr (am besten mit etwas Milch oder Yoghurt) auf einmal eingenommen werden. Treten beim Asthmatiker weiterhin nachts Atembeschwerden auf, so sollen 2/3 der Dosis morgens und 1/3 der Dosis abends eingenommen werden. Patienten, die unter einer langfristigen Cortisontherapie stehen, sollten auf eine ausgeglichene Ernährung achten:

- reichlich Eiweiß (Fleisch, Fisch, Milch)

- reichlich Vitamine (frisches Obst und Gemüse)

- reichlich Calzium (fettarme Milch u. Milchprodukte)

- reichlich Kaliumzufuhr (Aprikosen, Bananen, Gemüse)

- wenig Salz

- wenig Zucker

- keine Kalorienüberschüsse

NEBENWIRKUNGEN der systemischen Cortison-Therapie:

Die unerwünschten Cortison-Wirkungen treten vor allem bei einer hohen Cortison-Tabletten-Dosis in der LANGZEITTHERAPIE oder bei den CORTISON-DEPOTSPRITZEN auf. Bei einer kurzfristigen - auch höheren Dosis - braucht der Patient keine Bedenken wegen eventuell auftretender Nebenwirkungen zu haben; das gleiche gilt auch bei einer langfristigen, aber niedrig dosierten Einnahme von Cortison-Tabletten, d.h. von Tagesdosen unter 7,5 mg.




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