Ordination Dr. Dieter Michael Schmidt

Tipp: Arzneimittel-Allergie

Sie haben es selbst erlebt: Auch Arzneimittel, die ja eigentlich zur Besserung eines Leidens beitragen sollen, können gelegentlich krank machen. Grundsätzlich können bei Medikamenten verschiedenster Art, auch in Abhängigkeit von Dosis und Einnahmedauer, sogenannte unerwünschte Nebenwirkungen beobachtet werden. Zu diesen Nebenwirkungen kann es im Prinzip bei jedem Menschen kommen, der das betreffende Mittel einnimmt.

Von diesen Arzneimittel-Nebenwirkungen streng abzugrenzen ist die "Arzneimittelallergie":

Eine allergische Reaktion bedeutet, daß das Immunsystem des betreffenden Menschen beim Kontakt mit einem bestimmten Allergen - in diesem Fall mit einem Arzneimittel - Antikörper produziert, die gegen diesen Stoff gerichtet sind. In der Folge kommt es dann zur Auslösung verschiedenster körperlicher Beschwerden. Durch eine Arzneimittelallergie, die nach der Einnahme eines Medikaments im Körper abläuft, können z.B. auftreten: Nesselfieber, Hautekzeme, Fließschnupfen, asthmatische Luftnot, Magen-Darm-Beschwerden, Schwellungen verschiedener Körperregionen und auch Kreislaufstörungen bis hin zur Ausbildung eines sogenannten Schocks. Diese Beschwerden sind von Patient zu Patient sehr unterschiedlich.

Nicht immer gelingt es "auf den ersten Blick" die Diagnose "Arzneimittelallergie" zu stellen. Oft ist hierzu eine wirkliche "Detektivarbeit" nötig. Grundsätzlich können alle Arzneimittel allergische Reaktionen hervorrufen. Zudem sind Arzneimittelallergien durch verschiedene Darreichungsformen möglich: Durch Verschlucken (Tabletten, Tropfen), Spritzen (in die Vene, in das Gesäß), Zäpfchen, Anwendung als Augen- und Nasenpräparate und Auftragen auf die Haut. Als relativ häufige Auslöser allergischer Reaktionen können z.B. Antibiotika und Schmerzmittel sowie auch körperfremdes Serum (Eiweiß) genannt werden. Neben den eigentlichen Wirkstoffen des Präparates können auch Zusatz- und Konservierungsstoffe zu den allergischen Beschwerden führen.

Die Diagnostik einer Arzneimittelallergie verläuft oft schwierig und für beide Beteiligten, Patient und Arzt, nicht immer sehr befriedigend. Dies hat verschiedene Ursachen. Ohne diese Kurzinformation unnötig zu verkomplizieren, muß auch an das Vorliegen einer sogenannten Intoleranz oder "Pseudo-Allergie" gedacht werden. Das Immunsystem ist im Gegensatz zu allergischen Reaktionen beim Ablauf dieser Krankheitsbilder nicht beteiligt; es werden also keine Antikörper gebildet. Daher verläuft z.B. die Hauttestung mit dem verdächtigten Medikament in solch einem Falle negativ. Auch ist es so, daß beim Vorliegen einer echten allergischen Reaktion diese häufig nicht gegen den Wirkstoff oder einen Zusatzstoff des eingenommenen Medikamentes gerichtet ist. Vielmehr muß das Präparat in einigen Fällen erst im Körper des Patienten aufgenommen und chemisch umgebaut werden. Dabei entstehen Zwischenprodukte, gegen welche die Allergie häufig gerichtet ist.

Somit ist erklärbar, daß auch in Fällen einer wirklichen Arzneimittelallergie die Hauttestung negativ bleiben kann, wenn eben das eigentliche Allergen in der Testlösung nicht vorliegt. In Fällen, in denen die Krankheitsgeschichte, Hauttestungen und Blutuntersuchungen noch nicht zur Diagnose geführt haben, kann eine weitere, abschließende Untersuchungsmethode notwendig werden, die sogenannte "Provokationstestung": Hierbei wird nach vorherigem Weglassen des Arzneimittels dieses dann in abgestufter Weise, niedrig dosiert und in schrittweiser Erhöhung vom Patienten eingenommen. Die Provokationstestung ist grundsätzlich mit Risiken behaftet, da sie zu sehr starken allergischen Reaktionen führen kann. Sie wird daher nur in wirklich notwendigen Fällen durchgeführt. Zudem erfordert diese Untersuchung vom ausführenden Arzt große allergologische Erfahrung und sollte - vor allem zur Sicherheit des Patienten - unter stationären Bedingungen durchgeführt werden.

Dies alles mag kompliziert klingen und kann Sie zunächst evtl. sogar verängstigen. Zugegebenermaßen gehört die Arzneimittelallergie zu den schwierigsten Kapiteln der Allergiediagnostik. Bei sachgemäßem Vorgehen und Geduld des Patienten kann jedoch in vielen Fällen das krankmachende Medikament gefunden werden. Wenn die Diagnose dann gestellt ist, sind zwei Dinge wichtig:

1. Striktes Meiden des Medikamentes und der Stoffklasse.

2. Ständiges Führen eines Allergiepasses (am besten im Personalausweis).

Dieser Allergiepaß, in dem das zu meidende Mittel genannt ist, muß immer vorgelegt werden, wenn der Arzt oder Zahnarzt Untersuchungen durchführt, Medikamente verordnet oder verabreicht. Auch beim eigenen Kauf, z.B. eines Schmerzmittels oder einer Halstablette, ist der Paß dem Apotheker immer vorzulegen. Denken Sie bitte auch an Notfallsituationen (z.B. nach einem Unfall), in d nen Sie evtl. keine mündliche Angabe zu Ihrer Allergie machen können. Bei der Erfassung Ihrer Personalien wird Ihr Allergiepaß dem Sie behandelnden Arzt immer die entscheidenden Informationen liefern.




Mein neues Buch jetzt bestellen:

Buch 'Im Wartezimmer bitte Lächeln'

Per Mail bestellen

Schnell finden: