Ordination Dr. Dieter Michael Schmidt

Wie funktioniert die Psychotherapie?

Ein Mann macht sich öfter in die Hose, das ist ihm recht peinlich, er kann es aber nicht in den Griff bekommen. Seine Freunde raten ihm zu ärztlicher Konsultation. Er wird untersucht, beim Hausarzt, beim Facharzt und in der Spitalsambulanz. Nichts kann gefunden werden, ein Arzt meint, er solle zum Psychotherapeuten gehen. Das tut er auch. Nach einem Jahr trifft er seine Freunde wieder: " Du riechst ja noch immer, machst dir noch immer in die Hose, ja hat denn die Psychotherapie überhaupt nicht geholfen?" - "Doch, sehr gut sogar, jetzt macht's mit nichts mehr aus!"

Das bedeutet vordergründig, dass sich wirklich nichts geändert hat, er könnte ja aufhören, sich in die Hose zu machen, die Freunde sind enttäuscht. Für ihn hat sich dennoch entscheidendes getan, er hat sich mit seinem Problem befasst, intensiv darüber nachgedacht, die Gründe für sein Verhalten herausgefunden und danach beschlossen, alles so zu belassen, er hat den Frieden mit sich selbst gemacht, das problematische Verhalten ist ein Teil, möglicherweise ein wichtiger Teil seiner Persönlichkeit. Freilich sollte sich bei den meisten Fällen schon etwas ändern, es muss aber nicht unbedingt sein. Das Wichtigste ist das Akzeptieren seiner Selbst. Dabei kann man das niemals alleine bewerkstelligen, weil man sich selbst die richtigen Fragen nicht stellt, der Psychotherapeut aber fragt nach bestimmten Regeln, die Antwort muss man sich ohnehin selbst geben.

Psychosomatische Krankheiten

Dass Körper und Seele eine Einheit bilden, dass Krankheiten immer beide Teile betreffen und das auch eine Gesundung auf beide ausgerichtet sein sollte, wussten bereits die alten griechischen Ärzte. Das Wissen war in den letzten Jahrzehnten durch die Begeisterung für die Technik und die Möglichkeiten der modernen Medizin verdrängt worden. Dennoch gab es auch auf diesem Gebiet viele neue Erkenntnisse, so dass die Ärztekammer die Diplome für psychosoziale und psychosomatische Medizin angeboten hat. Es bedarf besonderer Gesprächs- führung, behutsamer Fragen und Zeit. Daher bitte ich um Verständnis, wenn manchmal ein Patient länger braucht und sich so die Wartezeiten verlängern. Allerdings hat jeder Patient, der dies benötigt, immer die Gelegenheit zu einem längeren Gespräch, möglichst nach Terminvereinbarung.

Was also geschieht bei einer Psychotherapie?

Das Bild der Psychotherapie, modifiziert nach ErwinRingel:

Die Seele hat zwei Kammern, das gut aufgeräumte und herzeigbare Wohnzimmer und das Besenkammerl, in dem die schlechten Eigenschaften und die negativen Erfahrungen und Erlebnisse aufbewahrt werden. In der psychischen Krise offenbart sich möglicherweise das starke Missverhältnis der beiden Kammern, indem immer mehr Aufwand nötig wird, um das Wohnzimmer ordentlich zu halten, während das Besenkammerl in der Vorstellung bereits übergeht und fest verschlossen bleiben muss.

In der Psychotherapie sitzen Patient und Arzt/Therapeut im Wohnzimmer und schauen aus dem Fenster. Der Arzt ermutigt den Patienten, einige Dinge des Besenkammerls zu erinnern und zu schildern, danach sprechen beide über die Bedeutung. Niemals aber wird der Arzt selbst das Besenkammerl betreten oder öffnen, er lässt den Patienten entscheiden, was er erzählen möchte. Dabei muss niemals alles offengelegt werden.

Übrigens: Wann würden Sie Ihr schadhaftes Dach reparieren, beim nächsten Gewitter oder bei Sonnenschein?

Das bedeutet, man sollte sich in ruhigen Zeiten um psychosoziale oder psychosomatische Krankheiten kümmern, um nicht bei der nächsten Krise ebenso hilflos zu sein.




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